Meine eigene kleine Cloud (Bye Bye Dropbox)

„Ihre Dropbox ist voll“ oder „11,99€ wurden von ihrem Konto abgebucht“ – dieser Tage nerven Dropbox und auch andere Cloud-Speicher-Anbieter ein wenig. Ich habe hingegen meine Pläne wahrgemacht und mir meine eigene kleine Cloud aufgesetzt.

Im Artikel Domain & Hosting der Website Setup Series habe ich ja bereits groß angekündigt, dass ich mehr Geld für meinen Webspace ausgeben werde, damit ich noch andere Dinge auf dem Server anstellen kann. Entgegen meiner eigenen Erwartung habe ich dies mit meiner eigenen nextcloud Instanz jetzt gemacht.

Nextcloud Installation via Installer – super easy

Ich war erschrocken wie simpel die Installation von Nextcloud auf meinem eigenen Server war. Dazu brauchte es lediglich einen Installer von der der Website https://nextcloud.com/install/ und eine Datenbank, die ich innerhalb meines customercontrolpanels anlegen konnte.

Download nextcloud Installer

Die /setup-nextcloud.php läuft dann einmal durch und checkt meine Server-Voraussetzungen. Erinnert ein wenig an die WordPress-Installationen vor Übernahme durch die One-Click-Installer. Die Verbindung mit der Datenbank läuft auch problemlos durch wenn man Copy-Paste beherrscht und Lesen kann (das waren überflüssige 30 Minuten). Am Ende installiert der Nextcloud-Installer dann alle nötigen Module.

nextcloud Installation von Plugins und Modulen

Der Wunsch eine eigene Cloud-Instanz zu betreiben besteht von meiner Seite bestimmt schon seit 5 Jahren. Initial hat mich owncloud angefixt, was ich mal im Zuge eines Projekts verwendet habe. In den letzten Wochen habe ich aber recherchiert, dass nextcloud als owncloud-Fork mittlerweile eher in die Richtung der Home-Suite geht. Entsprechend habe ich für diese Open Source Lösung entschieden.

Was kann nextcloud und was noch nicht?

Ich habe nextcloud installiert, damit ich Zugriff auf die folgenden Features erhalte:

  1. Cloud Speicher
  2. Desktop- & Smartphone-Sync
  3. Video-Konferenz-Funktion
  4. E-Mail

Diese Core-Funktionen erhalte ich und nach mehr kann ich auch nicht fragen. Die Größe meines Cloudspeichers richtet sich nun nach meinem Webhosting-Paket, was mich jetzt erstmal save mit mehr als 200GB Speicher versorgt. Das Interface der Cloud-Oberfläche ist auch wirklich sauber gehalten und einfach zu bedienen.

Dazu kommen noch funktionale Apps für Desktop und Android-Phone, die einfach problemlos laufen und zu bedienen sind. Das kenne ich auch noch anders. Z.B. aus den Anfängen von OneDrive.

nextcloud desktop app
nextcloud mobile app

Bei der Ansicht der verfügbaren Apps/Plugins innerhalb von nextcloud hat es mich dann fast noch erschlagen. Man kann noch so viele Dinge in das Interface reinbasteln, dass es schon fast nicht mehr feierlich ist! Ich hatte jetzt aber aus dem Stehgreif keinen weitern Bedarf außer der Aktivierung der Talk-Erweiterung (die nicht per default aktiviert ist).

nextcloud app store

Ich wäre aber auch ein schlechter Deutscher, wenn ich nichts zu meckern hätte. Wenn ich zwei fehlende Features benennen könnte, wären das:

  1. Ich wollte mir eigentlich mein eigenes kleines Büro mit diversen Mail-Adressen meiner Webprojekte in nextcloud einrichten. Das funktioniert zwar für die Web-Oberfläche allerdings gibt es aktuell keine Option das Mail-Modul auf einem Smartphone verfügbar zu machen. D.h. ich bin aktuell auf der Suche nach einer Gmail-Alternative zur Aggregierung der Mails und Kalendereinträge (WebDAV) aus meinen Mail-Konten.
  2. Der Out-of-the-Box-Darkmode sorgt für visuelle Probleme im Kontext von Kontrasten.

Wie rechne ich meine Ersparnis?

Abgesehen von meiner Leidenschaft für web-basierte Bastelprojekte, habe ich natürlich auch ein praktisches Motiv hinter dem Move. Mir geht seit Monaten Dropbox auf die Nerven. Eine meiner Dropboxen ist voll, die andere kostet mich über den Plus-Tarif 11,99€ im Monat. Ich finde Preis-Leistung hier nicht mehr haltbar, dafür dass die Cloud-Speicher-Technologie für Consumer (nicht für Business) mittlerweile zu einer Commodity geworden ist.

In meinem Kopf geht die Rechnung wie folgt. Für meinen Webspace zahle ich 5,99€ im Monat inklusive 250GB SSD-Webspace. Aus dem Artikel Domain & Hosting weiß ich, dass ich mindestens 1,99€ für eine standalone Domain und Website bezahlen müsste. Da ich zurzeit nur generation-beta.net in dem Paket hoste bleiben für meine Cloud-Lösung zurzeit noch 4€ pro Monat übrig. Sobald ich weitere Domains in das Paket migriere kann ich den Preis noch auf 1€ bis 2€ drücken.

Verglichen mit den gängigen Dropbox-Preisen ist das eine massive Ersparnis: Für ein Plus-Paket zahle ich hier minimal 9,99€ (2TB) oder für ein Professional-Paket für 16,58€ (3TB). Das kostenlose Paket hat lächerliche 2GB Speicher. 2 Terrabyte Speichr sind dabei zwar verlockend, aber weit über dem, was ich für meine Zwecke benötige.

Dropbox Preise

Der andere Anbieter of Choice ist Google Drive. Hier habe ich wenigstens 15GB Speicherplatz kostenlos! Das Upgrade auf 100GB kostet 1,99€ pro Monat. Das 200GB-Upgrade kostet 2,99€ pro Monat. Mit diesem Pricing wäre ich eher im Bereich meiner Installation. Beachtlich ist vor allem, dass die Zwischenschritte vor 2 Terrabyte das Ganze für den Privatnutzer deutlich attraktiver machen.

Google Drive Preise

Das bedeutet für mich, dass mit meiner eigenen Cloud mindesten 8€ im Monat gegenüber Dropbox spare. Sollte ich es schaffen weitere Domains in den Space zu ziehen, bleibe ich womöglich sogar unter den Kosten von Google Drive bzw. One.

Ausblick: Wie weit ist es zur eigenen Business Cloud für kleine Unternehmen?

Warum tue ich mir den ganzen Hustle überhaupt an? Abgesehen von ein paar Ersparnissen auf meinem Konto versuche ich auch herauszufinden, wie schnell und kostengünstig eine Mini-Infrastruktur für kleine Unternehmen wäre. Die Recherchen im Kontext von Open Source haben in meinem Kopf in den vergangenen Wochen eine Art Ökosystem zusammengesetzt, das theoretisch jedem kleinen Unternehmen mit einem Technology-Partner Zugang zu Collaboration- und Business-Software ermöglichen würde. Das Erstaunliche dabei: Erste Rechnungen in meinem Kopf ergeben, dass diese Infrastruktur fürs Business maximal 10€ pro Monat kosten würde. Und nicht – wie z.B. im Google G-Suite-Modell – 5€ pro Nutzer pro Monat.

Insbesondere in Gesprächen mit meiner Freundin, die im Textil-Einzelhandel arbeitet, denke ich regelmäßig: Warum haben die sowas nicht?

Ich hoffe, ich kann die These in den kommenden Monaten erhärten.

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