Network Marketing Runde 2 (Y-Kollektiv)

Zurzeit scheinen Network-Marketing-Systeme in Kombination mit Online-Trading die neue Blase im E-Commerce-Markt zu sein. Zumindest steigt meine Stichprobe mit der neuen Y-Kollektiv Reportage auf 2.

Bereits vor einem halben Jahr habe ich eine Reportage von Strg_F zum Anlass genommen, auf das Phänomen von Network-Marketing-Techniken als Schneeballsystem für digitale Dienstleistungen hinzuweisen. Nun hat auch der zweite Youtube-Reportage-Channel Y-Kollektiv das Thema aufgegriffen und hat den erfolgreichen Network-Marketer Richard Büttner persönlich begleitet. Die Reportage schaut ein wenig hinter die Kulissen der Selbstvermarktung eines Mittzwanzigers und die möglicherweise fragwürdigen Geschäftspraktiken des Produktes, das so viele seiner Entourage anscheinend reich zu machen scheint.

Schaut euch das Video erst mal. Unten drunter noch ein paar Gedanken von mir.

Video: Umstrittenes Network Marketing – Der Lifestyle des Jungmillionärs Richard Büttner

Umstrittenes Network Marketing – Der Lifestyle des Jungmillionärs Richard Büttner

Die Vorwürfe gegen das Get-Rich-Quick-System

Natürlich ist es immer leicht von außen auf das Business-Model von Network-Marketing-Systemen mit Trading-Produkten zu schauen und zu denken: „Das geht viel zu einfach – das kann nicht legal sein!“ Wie auch Marketer Büttner suggeriert, werden diese Vorwürfe vor allem häufig von Neidern aufgebracht.

Um die Problematiken in den Systemen zu verstehen, sollte man sich die zwei Revenue-Streams aus Sicht der Beteiligten vor Augen führen. Verbraucher-Beschwerden kommen in gleicher Weise aus beiden Lagern.

Network Marketing 2 Revenue streams

1 | Nutzer verlieren Geld beim Online-Trading

Das verkaufte Produkt hier ist der Zugang zu Online-Trading-Plattformen. Hier können Otto-Normal-Verbraucher mit großen Investoren zusammen an der Börse spekulieren. Die in der Reportage beschrieben Methode leitet die Nutzer bei der Investition in Währungen an – ein komplexes Feld der Finanzmärkte, das schwer vorauszusagen scheint.

Die Vorwürfe, die aus diesem Teil des Business stammen, sind meistens:

  • Nutzer der Trading-Plattformen „wetten“ auf Produkte, von der sie keine Ahnung haben, stecken überproportional viel Geld aus ihrem geringen Haushaltseinkommen in die Aktivität und verlieren am Ende alles.
  • Die Training-Materialien, die den Nutzern „verkauft“ werden, reichen nicht aus, um Nutzer auf die Verwaltung ihres Kapitals in den Märkten vorzubereiten.
  • Die Training-Materialien sollen in diesem Fall sogar identisch sein zu kostenlosen Angeboten im Web, werden aber dennoch verkauft.

2 | Network-Marketing als unseriöses Vertriebsvehikel

Um die Nutzer auf die Trading-Plattformen zu führen, werden die Vertriebspartner im Netzwerk pro Nutzer vergütet. Und das nicht zu knapp. Es ist schließlich nicht einfach jemanden davon zu überzeugen sich irgendwo zu registrieren und dann auch noch 500€ bis 1.000€ als Einlage zu leisten, um dann selber Arbeit zu leisten, um dieses Geld zu investieren. So weit ist dies nicht verwerflich und in vielen Branchen gängige Praxis.

Problematisch wird erst die Tatsache, dass ein akquirierter Netzwerk-Partner für den Akquirierenden zum Multiplikator gewandelt wird. Soll heißen: Ich akquiriere einen Kunden und erhalte eine Provision. Dieser Kunde zieht weiter und akquiriert einen weiteren Kunden. Für den dritten Netzwerk-Partner werden sowohl ich als auch der von mir geworbene Kunde vergütet. Der Letztere aber – wahrscheinlich – mit einer geringeren Provisionshöhe als ich.

Dadurch entstehen Vorwürfe wie:

  • Es gibt Vertriebspartner 1., 2., 3., usw. -Klasse, in dem eigentlich nur die Vertriebspartner der 1. und 2. Klasse ausreichend Geld aus ihren Akquisitionen generieren können.
  • Neue Vertriebspartner auf unteren Leveln werden dennoch unter der Versprechung der Einkünfte der oberen Level akquiriert. Dazu zählen unter anderem massive instagram-Poser-Accounts oder Videos, die dicke Uhren und Autos featuren.
  • Provisionen oder Gutschriften erhalten die Neukunden erst, wenn sie einen weiteren Kunden akquiriert haben.
  • Diese Schneeballsystem sollen rechnerisch so konzipiert sein, dass sie nach dem 6. Level die Grenzen der Weltbevölkerung sprengen würden. (Dies würde theoretisch das Akquise-Potenzial für Partner des 5. Levels auf 0 setzen. In einer Business-Logik würde das eine profitable Akquise unterhalb des 3. Levels aber schon grenzwertig schwer machen)
Network Marketing Y Kollektiv

Christoph Kleine

... ist Senior Manager Online Marketing bei nexible & Gründer von internetzkidz.de. Neben Online-Marketing beschäftigt er sich mit Usability, Web-Analytics, Marketing-Controlling und Businessplanung. Xing, LinkedIn.

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