Recap UXMunich 2013

Ich hatte letzten Monat das Vergnügen die UXMunich im Künstlerhaus zu besuchen. Leider war ich nur den 2. Tag (15.3.) da, aber ich habe mir gedacht, bevor ich jetzt hier im Büro ein paar Stichpunkte in OneNote hinterlasse, die eh keiner mehr öffnet, schreibe ich schnell ne Recap mit den wichtigsten Erkenntnissen der Konferenz.

Als kleiner Kommentar vorweg: Es war das erste Mal, dass diese Konferenz stattgefunden hat und ich finde die Arbeit, die gemacht wurde inkl. der Speaker, die geladen waren, sehr beeindruckend und gerade auch die Tatsache, dass ich ein solches Event mal in Deutschland besuchen kann, ist sehr geil.

@Marco Dugonjic: Typography for Developers

Außerordentlich spannender Beitrag über ein kleines Thema, das eigentlich trotz großen Auswirkungen weniger Beachtung findet, als es sollte: Schriften und Schriftsetzungen auf Websites. Ich habe viel gelernt über

  • die Auswahl von Schriften
  • das Lese-Erlebnis auf dem Screen im Vergleich zu Print-Prdukten
  • Alignment von Parapgraphen und Buchstaben
  • die Programmierhürden, die durch viele Browser-Default-Einstellungen auftreten
UX Munich 2013
Marco Dugonjic bei seinem Vortrag

 

Jetzt ist es natürlich kein Frontend-Designer und finde gerade mal auf ein paar privaten Projekten Anwendungen dafür. Anfangs habe ich aber scherzhaft bemerkt, dass ich das ja alles auf Powerpoint übertragen kann. Mittlerweile bin ich mir sicher, dass es mir wirklich beim Slides-Bauen geholfen hat. Also Danke dafür!
Die kompletten Slides gibt es übrigens unter http://webdesign.maratz.com/lab/typography-for-developers/ zum Download (muss ich an der Stelle auch mal loben!)

@Leisa Reichelt: Prototyping User Experience

Wahrscheinlich einer der Vorträge, aus dem ich am meisten für das Daily Business mitnehmen kann. Leisa Reichelt hat im Prinzip erklärt, wie sie ihre UX-Projekte stafft und strukturiert. Mein Key-Finding will ich mal kurz etwas näher beschreiben:

Leisa hat sich für die weitestgehende Verbannung von Photoshop, aber auch anderen Wireframingtechniken wie balsamiq oder axure aus dem Mockup-Prozess für neue Designs ausgesprochen. In ihren Projekten wird nahezu alles direkt in HTML aufgesetzt. Eine Idee, die ich in der ersten Instanz erst einmal voll unterschreiben würde, da ich weiß, dass der Hang zu fantastischen Effekten und unpraktischen Konstruktionen in Photoshop nahe liegt. Des Weiteren fehlt auch die Interaktivität bei der Demonstration für den Kunden.

Weitere interessante Aspekte des Vortrags waren:

  • Die zeitnahe Umsetzung von Scribbles auf dem Papier durch einen Developer
  • Das Navigationsbeispiel aus dem Beispiel für eine Universitätsseite (hier scheint es angeblich wirklich eine geheime Absprache unter allen Unis der Welt zu geben, dass die Gestaltung von Navigationskonzepten regelt.)
  • Staffing des Projektteams (u.a. mit Content-Architekten)
  • Beispiele für die fehlende Flexibilität in Unternehmen bei der Umsetzung von Webprojekten

@Hans Christian Reinl: Be friends with your Styleguides

Einer der enttäuschensten Vorträge des Tages. Also, ich weiß, dass Styleguides für viele Firmen unumgänglich scheinen, aber ich denke auch, dass sie eines der größten Hindernisse bei der reibungslosen Umsetzung von performanten Websites sind. Hier brauche ich eigentlich keinen Developer, der mir erzählt, was es mit diesen bürokratischen Design-Regelwerken auf sich hat.
Der ergiebigste Teil war hier sicherlich noch die Entdeckung von Hipster Ipsum und die Live-Coding-Session am Ende, die aus einer Zuschauer-Frage entstanden ist.

@Noel Tock: happytables 2.0 UX Challenges and Opportunites

Der mit Abstand beste Vortrag des Tages. Nicht nur weil es um ein Geschäftsmodell ging, sondern weil Noel einen ganz einfaches Schema befolgt hat:

  1. Stell deine Person vor
  2. Stell dein Projekt vor
  3. Beschreibe was du mit diesem Projekt erlebt hast
  4. Erkläre was du in diesem Projekt gelernt hast
  5. Versuche allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten aus diesen Learnings abzuleiten.

In diesem Fall, hat das wie folgt ausgesehen:
Noel ist ein Developer aus der Schweiz. Mit ein paar Kollegen macht er das Projekt happytables. Es handelt sich hierbei um eine Plattform auf der kleine Restaurants gegen eine Gebühr von 39$ pro Monat Online-Speisekarten erstellen können. Um Laufe des Projekts hat das Team verschiedene Backend Interfaces ausprobiert (alle WordPress-basiert) und ein Newsletter-System eingeführt, um es dem User so einfach wie möglich zu machen, seine kleine Visitenkarten-Website zu gestalten und mit Content zu füllen. Dabei haben sie gesehen, dass sogar schon ein abgespecktes WordPress-Backend, wie wir es kennen, einen Restaurantbetreiber überfordern kann. Sie haben ein Newsletter eingeführt, der für alle Nutzer einmal pro Woche zur gleichen Zeit (mit den Specials der Woche o.ä.) verschickt wird und sie haben Navigationskonzepte standardisiert. Die beiden wichtigsten allgemeingültigen Erkenntnisse waren:

  1. Kleine Händler brauchen Limitierungen, in dem was sie tun können und wir können nicht immer von uns auf andere schließen, wenn es um den Umgang mit Funktionen geht. Diese Leute haben ein erfolgreiches Geschäft zu führen und damit wichtigere Dinge zutun als den ganzen Tag Marketing-Taktiken auszuhecken.
  2. Als Dienstleister sollte man Systeme bauen, die den Longtail berücksichtigen. Nur weil der Etat eines Kunden heute zu klein ist, um ein Projekt zu eröffnen, heißt das nicht, dass sein Budget in 2 Jahren nicht vielleicht doppelt so groß ist. Daher kann man aus solchen minimalistischen Systemen a) Geld und b) Kunden generieren.

Ich habe es während des Vortrags auf twitter als: „Living off the Longtail by limiting their options.“ beschrieben.

 

 

Oliver Reichenstein: The Art of Reduction

Zugegeben: Ich habe eigentlich gar keine richtige Ahnung mehr, worum es in dem Vortrag ging, geschweige denn was die alles umspannende Conclusion war. Das liegt zum Großenteil daran, dass Oliver Reichenstein für die Bühne geboren ist. Ein außerordentlich unterhaltsamer Vortrag, der im besten Falle eher abstrakt mit Informationsarchitektur zutun hatte.
Generell sind mir jedoch 2 Dinge hängen geblieben. Im Zusammenspiel von Funktion und Design ist es die nachhaltigere Strategie zuerst auf Funktion zu setzen um dann (vielleicht) im Nachgang ein „schönes“ Design daranzuhängen. Klingt einfach, wird aber in unglaublich vielen Fällen nicht beachtet, wenn man mal mit offenen Augen im Web unterwegs ist. Die besten Beispiele sind dafür nachwievor Google und Reddit.
Im weiteren Teil hat Reichenstein noch ein paar Beispiele für Relaunch-Zyklen gegeben, die eigentlich die Untergänge von Geschäftsmodellen und Marken füttern, wie nichts anderes. Eindrucksvoll in diesem Zusammenhang war vor allem altavista.

Diskussionsrunde

Die Diskussionsrunde fand in der typischen „Ich stell mal 5 Sessel auf“-Runde vorne auf der Bühne statt. Fragen konnte das Publikum via twitter einwerfen. Mir ist es dann irgendwann zu viel nach dem Motto „aus dem Leben eines Designers …“ geworden und wir sind abgehauen. Das einzige Take-Away aus der Runde war tatsächlich: Die ganzen Agentur- und Konzepter-Butzen haben wirklich ein wenig Angst zu wachsen. Während Kunden normalerweise vor Freude jubeln, wenn sie in Aufträgen ersticken und einstellen müssen, fühlt man sich in der Szene in seinen 6-8-Mitarbeiter-Teams schon sehr wohl.

Submit a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.