7 TodSünden / Growth Hacks des Marketing

Die 7 Todsünden des Marketing stammen aus der Keynote „State of the German Internet“ von der OMR19.

Einen Monat nach den Online Marketing Rockstars 2019, ist ein Content-Refresher an der Zeit. Philipp Westermeyer hat mit seinen 7 Marketing / Vermarktungstipps am Conference-Day einen ziemlich dicken Aufschlag gemacht.

Und für mich auch immer die Frage: Kann ich es testen oder gar für mich implementieren?

#1 | Wrath – Wie man mit Zorn polarisiert und die richtigen bzw. wichtigen Kunden findet

Das Beispiel vom umstrittenen Ex-NFL-Star Colin Kaepernick (lehnte sich mit seinem Kneel gegen Staat, Polizei und Donald Trump auf), der 2018 von Nike als Werbegesicht rekrutiert wurde. Die Commercials führten zu Kontroversen unter Nike-Trägern und -Followern. Es wurden Schuhe verbrannt und zum Boykott aufgerufen. Am Ende ließ Nike die Ads laufen mit der Conclusio, dass man auch mit weltoffenen Kunden genug Geld machen kann und die Hater getrost mal vor den Kopf stoßen darf. Der Sportartikel-Hersteller profitierte zudem massiv von der zusätzlichen Reichweite der öffentlich ausgetragenen Debatte.

nike schuhe brennen kaepernik
Der twitter User @sclancy79 hat als Reaktion auf die Nike Werbung mit Colin Kaepernik Schuhe verbrannt.

Wie kann ich das implementieren? Mich hat es tatsächlich ein wenig an unseren letzten nexible Spot (Ende 2018) erinnert. Ca. 5 Mio. Views gab es für unser Video und darunter 35% Dislikes. Wir sehen es auch als starke Polarisierung, was uns für den Aufbau unseres Business wichtig ist, da unser Kernprodukt  Kfz-Versicherung sehr wenig differenzierbar ist.

#2 | Desire – Die Kunst der Collaboration

Typisches Wettbewerbs- und Marktdominanz-Denken scheinen im Internet ausgedient zu haben. Künstler wie Gzuz und die Beginner sind rein wirtschaftlich Konkurrenten, die beide um spotify-Plays, youtube-Views und Ticket-Sales (kauft noch jemand Alben?) bei Endkonsumenten husslen. Tatsächlich haben beide aber deutlich unterschiedliche Kern-Zielgruppen, die aber potenziell mit beiden Musikstyles kompitabel sind und sogar noch Zeit und Geld haben beides zu hören.
In diesem Fall heißt die Collaboration Ahnma und ist aus dem Jahr 2016:

Ein gutes Beispiel finde ich generell youtuber. Regelmäßig featuren sie sich gegenseitig auf ihren Kanälen und werben für Subscriptions bei ihrem Counterpart.

Wie kann ich es implementieren? Ich lasse euch wissen, wenn ich das nächste Mal Artikel mit einem anderen Blogger tausche. Dies könnte sich durchaus positiv auf Traffic und Follower auswirken.

#3 | Envy – Die Kunst des Drops

Die limitierte Distribution eines Produktes an nur einem Ort ist nichts revolutionär Neues. Die dick aufgetragene Inszenierung via Instagram und Co. schon. Heutzutage released nahezu jeder Künstler sein Merchandise mit einem Drop, der kurz- oder mittelfristig mit einer Story angekündigt wird. Anscheinend ist es der Weg der nächsten Jahre: Public Promotion und Distribution quasi integriert.

Adidas BVG Schuh Drop in Berlin

Wie kann ich es testen? Tatsächlich frage ich mich, ob ein Drop auch für digitale Produkte auch funktioniert. Würdet ihr eine App runterladen, die ich ausschließlich nächste Woche Donnerstag an der Trinkhalle Bilker Kirche in Düsseldorf droppe? Wäre mal ein Experiment wert.

#4 | Pride – Memefication deines Marketing und Business Modells

Normalerweise sind Unternehmen in deep shit, wenn das Web eine Veröffentlichung zur Belustigung weiterverwendet. Wer viel Reichweite für wenig Geld haben möchte, überlasst dem Web aber am Besten direkt die Vermarktung – in Form von Memes. Das witzigste Beispiel dafür ist die Fashion-Marke Balenciaga, die mit einer Tasche im IKEA-Style und ein paar Schuhe, die aussehen wie McDonalds Pommes-Tüten in der Vergangenheit das Web rockten. Natürlich sieht das Ganze so aus, als wären die Ähnlichkeiten erst von Nutzern und nicht von Designern bemerkt worden.

Balenciaga McDonalds Meme

Wie kann ich es testen? Es gibt ein spezielles Datum für einen Test von Memefication bzw. Memebaiting: Den 01. April jeden Jahres. Hier passiert eigentlich nicht viel anderes als die Bloßlegung einer schrägen Idee im Web: Je schlechter die Ausarbeitung aussieht, desto wahrscheinlich wird euer Aprilscherz zu einem Meme.

#5 | Greed – Die Discounts sind tot, lang lebe die Discounts

Tatsächlich kann eine gute Discount bzw. Rabatt-Strategie ein ganzes Business Modell ausmachen. Wer weiß wie Deal-Plattformen wie mydealz o.ä. funktionieren und entsprechende Ressourcen in die Optimierung investiert, kann womöglich sogar auf klassisches Search- oder Display-Marketing verzichten.
Dies ist konträr zum traditionellen Einsatz von Gutscheinen, Rabatten und Discounts: Hier wird normalerweise vom UVP reduziert, der normale Marketing-Spend aufrecht erhalten und auf jeden Kunden Verlust gemacht. Am Ende wird sich über Schnäppchenjäger beschwert.

mydealz Plattform

Dennoch sei hier aber Vorsicht geboten: Diese Plattformen ziehen eine bestimmte, preis-sensitive Zielgruppe an. Diese können entweder weniger loyal oder deutlich agiler auf Preis-Bewegungen (z.B. bei Prämien) reagieren.

Wie kann ich es testen? Ich würde gerne ein neues Produkt mal ausschließlich auf Deal-Plattformen promoten. Kein SEA, kein Display. Wenn ich den Preis im Vorfeld so kalkulieren kann, dass das Produkt konstant mit 20% bis 50% Discount existieren kann, wäre womöglich glatter Luxus.

#6 | Sloth – Die alten Marketing- und Sales-Kanäle sind nicht alle schlecht

Wir leben in spannenden Zeiten. In den vergangenen Jahren sind Preise für Online Marketing (z.B. CPOs, CPMs) stetig gestiegen – in großen Teilen, weil es funktioniert. Im gleichen Zuge sind Budgets aus Print und Offline rausgenommen worden, was dazu geführt hat, dass die entsprechenden Anbieter ihre Preise gesenkt haben. So kann es sein, dass heute teilweise eine Postwurf-Sendung im CPO wieder günstiger ist als eine Search-Kampagne in der Hochsaison.

ergobag händlernetzwerk

Der Rucksack-Hersteller „Fond of“ hat so z.B. herausgefunden, dass man eine stabile Distribution von Kinder-Rucksäcken sicherstellen kann, indem man zu konservativen lokalen Händlern (keine Franchiser oder Filialen) geht und diese dort verkaufen lässt.

#7 | Gluttony – Mehr ist mehr ist mehr ist immer mehr

187 instagram Stories an einem Tag! Manch einer würde sagen: Man kann es auch übertreiben. Die Fans von Rapper BonezMC sagen: Mega! Im Bereich Maßlosigkeit, sollte man sich überlegen auf welchen seiner Kanäle oder mit welchen Maßnahmen man mal richtig übertreiben kann. Ich finde die Challenge auf jeden mal interessant.

bonez mc instagram gluttony
Der Rapper Bonez MC ist bekannt für seine exzessive instagram Story Nutzung.

Wie kann ich es testen? Mir sind direkt ein paar Beispiele eingefallen, wie man Maßlosigkeit mal antesten könnte. Z.B. mal 12 mal am Tag bei facebook live gehen, um etwas zu zeigen. Oder einen Artikel in 20 verschiedenen Farben bestellbar machen? Ich denke, es ergeben sich ein paar interessante Möglichkeiten.

Alle Links zum Vortrag

Video: State of the German Internet – Keynote #OMR19 von Philipp Westermeyer

Slide-Deck: OMR Festival 2019 – State of the German Internet 2019

https://omr.com/de/

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