Netzneutralität: So gut erklärt wie nie zuvor (John Oliver, HBO)

Vor ziemlich genau einem Jahr hatten wir die Diskussion über die „Drosselkom“ in Deutschland. Die Telekom wollte ihre DSL-Tarife für Endverbraucher monatlich nach dem Verbrauch eines bestimmten Volumens in der Geschwindigkeit herabsetzen. Damals schwebte ein Begriff immer mit in der Presse herum: Die Netzneutralität. Diese würde mit dem Schritt der Telekom gefährdet werden. Leider ist „Netzneutralität“ ein sehr abstrakter Begriff, unter dem sich viele Menschen, darunter auch viele  Internetnutzer, nicht viel vorstellen können. Deshalb empfehle ich euch das Video von John Oliver, der in 13 Minuten alles zum Thema so verpackt, dass man zum einen herzhaft lachen kann und zum anderen alles bestens nachvollziehen kann. 😉


Net Neutrality: Last Week Tonight with John Oliver (HBO)

Was hat das mit der deutschen Telekom zutun?

Die Telekom wollte letztes Jahr nicht nur die Geschwindigkeit der End-Nutzer reduzieren, sondern auch Unternehmen/Internetservices gegen eine Gebühr erlauben, sich aus dem monatlichen Volumen der User herausrechnen zu lassen. So hätten zum Beispiel Dienste wie spotify, facebook und andere Meistbietende auch die User noch erreichen können, die ihr „schnelles“ Volumen für den Monat schon erreicht haben. Dadurch wäre wiederum ein 2-Klassen-Web entstanden, das es u.a. Entertainment-StartUps unmöglich gemacht hätte Kunden zu erreichen, da diese an Dienste gebunden wären, die ihr monatliches Budget nicht belasten.

Das Thema „Netzneutralität“ in Überschriften!

Das Video ist leider 13 Minuten lang und in Englisch. Wer es sich gerade nicht anschauen kann, dem versuche ich hier schnell die Headlines zu geben:

  • Internet-Provider (hier: Comcast, Time Warner) spielen mit dem Gedanken einen Teil ihr Infrastruktur an Unternehmen zu einem höheren Preis zu vermieten, die im Gegenzug höhere Übertragungsgeschwindigkeiten garantiert bekommen
  • Dies erstellt ein 2 Klasse-Web, das eine Übermacht der etablierten Unternehmen gegenüber kleineren und Endnutzern forciert
  • Die entsprechenden Gesetzesvorlagen sind zurzeit in Prüfung, aber so langweilig, dass kaum jemand dem Thema Beachtung schenkt
  • Internetznutzer und große Internetfirmen (wie z.B. Google und facebook) haben sich derweil im Protest gegen entsprechende Entwürde zusammengeschlossen
  • Die Telekommunikationsbranche hat hingegen in den vergagenen Jahren durch massive Lobby-Ausgaben eine enge Beziehung zur US-Regierung aufbauen können, die die Proteste etwas klein aussehen lassen.
  • Die Wettbewerbsdichte ist zusätzlich sehr gering im amerikanischen Provider-Markt, der nahezu regionale Monopole der beiden Top-Anbieter hervorgebracht hat
  • Unter http://www.fcc.gov/comments hat die US-Regierung zu Kommentaren der Öffentlichkeit aufgerufen

Gelten die US-Beispiele auch für Deutschland?

Wie haben zwar in Deutschland kein comcast und kein Time Warner. Allerdings ist der Telekommunikationsmarkt ähnlich wettbewerbsarm aufgebaut. Wenn man bedenkt, dass das die deutsche Telekom bis vor ein paar Jahren noch das gesamte Netz selber gebaut hat und bisher nur weiter vermietet, kann man sich den Einfluss ungefähr vorstellen. Zudem gibt es seit der Privatisierung der Telekom in den vergangenen Jahren auch zunehmend regionale Anbieter, die einen großen Hebel in der Auswahl des Netzanbieters walten lassen, da sie eine Vielzahl von Haushalten selber ans Netz angeschlossen haben.

Also ja. Der amerikanische Markt kommt schon nah an den deutschen heran. Auch wenn man in Sachen des politischen Einflusses immer beachten muss, dass die Branchen Lobbies zwar da, aber nicht so gut finanziert und einflussreich sind.

Standardbild
Christoph Kleine

... Managing Director bei THE BIG C Agency & Gründer von internetzkidz.de. Neben Online-Marketing beschäftigt er sich mit Usability, Web-Analytics, Marketing-Controlling und Businessplanung. Xing, LinkedIn.

Artikel: 401

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.