Matthias Schrader (SinnerSchrader) über digitale Transformation

Matthias Schrader, Gründer von SINNERSCHRADER, erzählt im KASSENZONE-Interview von seinen Erfahrungen aus der Beziehung zwischen Großkonzernen und Innovation.

Wenn ihr wissen wollt, warum die Markennamen der größten deutschen Unternehmen in Zukunft andere sein werden als vor 20 Jahren, würde ich euch die 20 Minuten Interview mit dem Gründer einer der größten deutschen Digitalagenturen sehr ans Herz legen! Ich finde viele der Äußerungen besonders interessant, weil sie sich mit Erfahrungen decken, die ich täglich mit großen Konzernen mache. Strukturen, in denen man auch manchmal denkt: „So wird das nie etwas!“ oder Prozesse bei denen man merkt „Ahhh, so hat man das also früher gemacht!“.

Matthias Schrader: Grüne Wiese vs. Konzern (Interviewer: Alexander Graf)

Key-Learnings aus dem Interview Grüne Wiese vs. Konzern

  • Graf (geprägt durch die Erfahrungen mit dem Projekt Collins) ist der Meinung, dass digitale Innovation in großen Konzernen nur auf der grünen Wiese stattfinden können, d.h. in anderen Gebäuden, mit anderen Leuten und anderen Mindsets (aber den Funds aus dem Konzern)
  • Schrader glaubt an die Kraft der Innovation im Konzern. Geprägt auch durch die Tatsache, dass Projekte auf der grünen Wiese häufig stark risikobehaftet sind. D.h. dass neue Projekte in manchen Fällen nicht die nötige Reichweite erreichen können oder lang genug leben dürfen, um den Proof of Concept zu bringen oder gar zu monetarisieren.
  • Hauptproblem bei der Digitalisierung von Konzernen sei eigentlich, dass versucht wird, den Ist-Zustand zu digitalisieren. Ob das Geschäftsmodell an sich digital- bzw. B2C-tauglich ist, wird selten bis nie in Frage gestellt.
  • Durch diese Rettung der Konzerne in das digitale Zeitalter wird es unwahrscheinlich, dass aus den Transformationsprojekten Marktführer (Best in Class vergleichbar Google, Facebook, etc.) hervorgehen.
  • Digitalisierung ist wieder auf Geschäftsführungsebene (C-Level) angekommen.
  • Digitalagenturen werden zurzeit vorrangig als Implementierer für Konzepte verwendet, die Konzern und Beratungen unzureichend entwickelt haben.
  • In vielen Fällen kommen Vorstände von ihren Valley-Touren zurück und versuchen Veränderungen im Unternehmen einzuführen (z.B. Test-Kulturen), die aber im direkten Kontrast zu ihrer fortgeführten Control-Command-Struktur stehen und daher nicht funktionieren können.

Die GAfa- Präsentation von Matthias Schrader

Die im Interview häufig zitierte GAfa-Präsentation findet ihr übrigens hier:

Zitate von Matthias Schrader für euer E-Commerce Poesi-Album

Ein paar interessante Zitate von Matthias Schrader aus dem Interview

Was wir schon sehr stark beobachten, ist dieser kalifornische Disney-Tourismus. Also jeder Vorstand macht da seine Tour durch Kalifornien durch das Valley. […] und (sie) kommen ganz erleuchtet zurück und sagen: Wir müssen einfach was machen.

[…] vieles, was unter digitaler Transformation verstanden wird, – find ich – ist immer so ein bisschen Elektrifizierung.

[…] es geht oftmals noch um Digitalisierung des IST-Zustandes […]

Das Spannungsfeld Konzern <> Unternehmensberatung <> Agentur

Ein Thema, was im Interview auch aufgegriffen wird, ist die Rolle von Unternehmensberatungen im Prozess der digitalen Transformation. Hier fühle ich mich natürlich in meiner beruflichen Ehre gekränkt. 😉 Das angeprangerte Problem von Schrader ist, dass sie als Agentur vorrangig bestellt werden, um vermurkste Konzepte, die von Konzernen zusammen mit Unternehmensberatungen (McKinsey, Bain, BCG, etc.) entwickelt wurden, umzusetzen. Vermurkst im dem Sinne, dass die Konzepte eben nur Ist-Zustände digitalisieren und nicht das Geschäftsmodell transformieren.

Generell stimme ich hier voll zu. Aber hier reden wir eher von einem Problem als von einer Ursache im Bereich Beratung. Das, was ich zurzeit sehe, ist, dass Mandate nicht an die Beratungen gehen, die einem Vorstand offen ins Gesicht sagen „Zuerst stellen wir mal gemeinsam euer Geschäftsmodell (mit Positionierung, Produkt oder Preis, etc.) auf den Kopf“. Das sind momentan eher die Beratungen, die – zumindest bei Konzernen – mit dem Papierschredder im Ohr vom Unternehmenscampus gejagt werden.

via Kassenzone.de – Grüne Wiese vs. Transformation // Interview mit Matthias Schrader

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