Daniel Schmidt Elbschlosskeller Reeperbahn

Management Lektionen von der Reeperbahn – Daniel Schmidt regelt

Keine Lust mehr auf Management Lektionen aus Büchern und TED Talks?! Ein Blick in das Leben von Elbschlosskeller-Wirt Daniel Schmidt bringt dir vielleicht die Perspektiven für weitere Management-Fortschritte.

Hast du genug von Management-TED-X-Talks, die immer wieder gleich klingen:

… dann habe ich in Harvard / Princeton / Stanford studiert, hatte eine mittelmäßige Idee und dann ist mein Business durch die Decke gegangen.

Jeder TED X Speaker ever …

Entsprechend erfrischend fand ich verschiedene Dokumentationen und Interviews über und mit Daniel Schmidt – dem Wirt des Hamburger Elbschlosskellers auf der Reeperbahn.

Daniel Schmidt, Elbschlosskeller, Reeperbahn, St. Pauli

Daniel Schmidt (36) ist gelernter Zimmermann und seit 13 Jahren Betreiber der Hamburger Kultkneipe Elbschlosskeller. Schmidt hat die Kneipe von seinem Vater übernommen und betriebt die Gaststätte damit in der dritten Generation. Der Keller – wie er auch genannt wird – ist eine Hamburger Gaststätte mit einer Historie, die bis in das Jahr 1952 zurück reicht. Das Etablissement ist unter anderem als Gaststätte bekannt, die durchgängig 24 Stunden 7 Tage die Woche geöffnet ist und – vor den Lockdown-Maßnahmen der Pandemie – kein Türschloss benötigte.

Darüber hinaus ist der Elbschlosskeller bekannt für eine raue Atmosphäre und verbale sowie physische Auseinandersetzungen und der Gästen. Die Location ist tief mit der Reeperbahn und Besuchern wie Bewohner verknüpft und ist für viele Menschen eine feste Anlaufstelle.

People Management: Perspektiven für die Unzuverlässigen

Daniel Schmidt zeigt im Kontext von Mitarbeiter-Management auch wie es gehen kann. Im Kontext der zu bewältigenden Arbeit und der Menschen, die er in seiner Kneipe beschäftigt, agiert er hier – aus meiner Sicht – an zwei extremen der Enden der beiden Spektren:
Er beschäftigt unter anderem Menschen, die – wenn man traditionelle deutsche Arbeitstugenden als Maßstab anlegt – als unzuverlässig abgestempelt werden könnten und eine typische postalische Bewerbung womöglich in 99% der Betrieben nicht überleben würden. Auf der anderen Seite verlangt er von diesen Menschen unter teils widrigsten Bedingungen zu arbeiten: Uhrzeiten, schwierige Gäste, Schlägereien und Ausschreitungen.

Statt diese Umstände als Hindernis seines Geschäftsmodels anzuprangern, baut er seine Philosophie im Kontext von People Management um diese Umstände herum: Er bezieht persönliche Lebensumstände sowie Besonderheiten in die Beurteilung des Status Quo mit ein und versucht going forward damit zu arbeiten. Eine nicht alltägliche Einstellung in vielen Leadership-Philosophien, die häufig dazu verleiten Teams und Mitarbeiter in ihren Grundstrukturen zu normieren, sodass sie zwischen 9 und 17 Uhr reibungslos funktionieren.

Damit ist er sicherlich einer hohen Volatilität in der Risk-Reward-Gleichung beim Austeilen von Chancen an Mitarbeitern ausgesetzt. Aber Beispiele wie Thresen-Kraft Dirk zeigen auch, dass aus derartigen Start-Szenarien loyale und strapazierbare Mitarbeiter-Beziehungen erwachsen können.

Du bist nichts ohne dein Ökosystem: Daniel Schmidt organisiert in der Corona-Krise

Wie gut eine Firma oder Organisation funktioniert zeigt sich meistens erst, wenn es hart auf hart kommt. In der Coronakrise zeigt sich das wohl besonders stark für Gastronomie-Betriebe. Im Kontext des Elbschlosskellers (der für den Shutdown erst einmal ein Türschloss benötigte) hieß die Schließung Mitte März 2020 eine unmittelbare Umstellung von Kneipen- auf Sozialbetrieb.

Im Zuge der Pandemie haben Wirt Daniel Schmidt und sein Team:

  • Aus dem Elbschlosskeller eine Suppenküche gemacht
  • Distribution von warmer Kleidung und Hygiene-Artikeln organisiert
  • Sich mit anderen Geschäften auf der Reeperbahn für die Koordination von Obdachlosen- und Bedürftigen-Hilfe zusammengeschlossen

Die daraus resultierende Management-Lektion für mich ist ganz klar: Du bist nichts ohne dein Ökosystem!

Dies bezieht sich aus meiner Sicht nicht nur auf Kunden. Es liegt auf der Hand, dass Kunden nur von dir kaufen können, wenn es ihnen finanziell und gesundheitlich gut geht. Ich würde aber so weit gehen diese Lektion sogar auf Wettbewerb bzw. Mitbewerber auszuweiten. Im Falle des Elbschlosskellers wird dies deutlich: Schließt man sich mit anderen Wirten zusammen, verliert der gesamte Markt Reeperbahn für Menschen womöglich die Attraktivität und keins der Geschäfte profitiert mehr – auch wenn man theoretisch jeden Abend um die gleichen Kunden und die gleichen Budgets konkurriert.

Buch: Elbschlosskeller – Kein Roman (Daniel Schmidt)

Mit Geschichten aus und rund um den Elbschlosskeller hat Wirt / Leader / Manager Daniel Schmidt mittlerweile auch ein ganzes Buch gefüllt. Du kannst es unter dem Titel Elbschlosskeller – Kein Roman beim Buchhändler deines Vertrauens beziehen.

Standardbild
Christoph Kleine
... ist Senior Manager Online Marketing bei nexible & Gründer von internetzkidz.de. Neben Online-Marketing beschäftigt er sich mit Usability, Web-Analytics, Marketing-Controlling und Businessplanung. Xing, LinkedIn.
Artikel: 376

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.