Blogparade: Wie ich mal irgendwann mit SEO angefangen habe

Ich habe vor ein paar Tagen den SEO-United-Artikel über eine Blogparade gelesen, die von seokratie ins Leben gerufen wurde. Ich finde die Idee gut und hab noch nie bei einer Blogparade mitgemacht. Also hier mal der Versuch. Auch wenn ich ja heute beruflich nicht mehr wirklich operativ im SEO-Bereich arbeite, kann ich die meisten Fragen noch gut beantworten.

Wie bist Du zu SEO gekommen?

Ich habe 2010 eins der so genannten „Online-Marketing“-Praktika bei 1000kreuzfahrten bekommen. Wer den Code dieses Praktikum-Titels nicht kennt: Die Aufgabe ist Texten und Links builden 40 Stunden die Woche. Da SEO zu 100% Bestandteil des Praktikums war, fand ich es wichtig, das Thema zu verstehen. Also habe ich in den 3 Monaten des Praktikums alles verschlungen, was ich zu diesem Thema zu lesen bekam.

Welches war Dein erstes Webprojekt?

Etwas peinlich berührt, muss ich gestehen, dass ich damals zuerst einmal versucht habe, den Blog aus meinem Auslandssemester chkworldwide.blogspot.com auf das Keyword „Studieren in Malaysia“ zu optimieren. Ich hatte zwar eine Menge Content und nichts davon war für die Maschine geschrieben, aber ich musste nach einiger Zeit feststellen, dass das Volumen hinter diesem Keyword die Arbeit wirklich nicht wert war.

Blogparade von Seokratie: Mein erstes Blogprojekt

Was hat sich für Dich seit dem Beginn von SEO geändert?

Es gibt kein wirkliches Schema mehr. Früher konnte man auch als kleines Licht im Web mit Blogs relativ schnell interessante Long-Tail-Keywords identifizieren, einen Artikel mit der Keyworddichte 3%-5% in Anlehnung an Wikipedia schreiben, posten und erstmal durch alle Social-Bookmarking-Dienste jagen. Heute muss ich mir Gedanken machen, wie ich den Artikel inhaltlich und in HTML strukturiere und dann so schreiben, dass ein User ihn tatsächlich lesen würde ohne mich für einen Grundschüler zu halten. Und dann muss ich manuell auf Leute zugehen, um wenigstens einen Grundstock der Verbreitung zu garantieren. Echt aufwändig …

Wie erklärst Du Unbeteiligten, die sich nicht im Internet auskennen, was Du genau machst?

Früher habe ich häufig darauf bestanden, dass Leute mehr als nur 5 Minuten Zeit mitbringen, wenn ich es Ihnen erkläre. Danach habe ich meistens versucht, den Leuten zu verdeutlichen, dass man die Suchergebnisse unterhalb des adwords-Anzeigen ein einem gewissen Maß beeinflussen kann und ich wüsste wie das geht. Heutzutage bin ich immer wieder überrascht, wie viele Leute, zumindest ein rudimentäres Verständnis von SEO mitbringen, weil es Ihnen irgendwo schonmal begegnet ist.

Welche Tools nutzt Du hauptsächlich?

Ich bin ein großer Freund von XOVI, gerade wegen des guten Preis-Leistungsverhältnisses. Allerdings ist sistrix in vielen Fällen immer noch repräsentativer, gerade für High-Level-Analysen. Daher arbeite ich gerade wieder hauptsächlich mit sistrix. Ansonsten habe ich noch Seoquake in so ziemlich jedem meiner Browser.

Wie sieht Deine Arbeitswoche aus? Wie viel arbeitest Du?

SEO ist für mich mittlerweile hauptsächlich ein Hobby – abhängig von meinen aktuellen Projekten. Daher muss ich sagen, dass ich eigentlich max. 5 Stunden die Woche wirklich SEO-Geschichten arbeiten kann – nach der Arbeit. Wie viel ich wirklich in meinem Job arbeite, darauf will ich lieber nicht eingehen. 😉

Was gefällt Dir an SEO am meisten?

Mich beeindruckt es immer wieder, wie stark mich SEO mit anderen Disziplinen des E-Commerce in Kontakt gebracht hat. Ich habe viel über Code, CMS, Serverstrukturen lernen müssen. Früher oder später musste ich mir über das Leseverhalten von Menschen Gedanken machen und Keywording, so wie Webanalyse kann man auch direkt in Disziplinen wie SEA und Data-Feeds portieren. Also gefallen mit eigentlich am besten die Schnittstellen der Suchmaschinen-Optimierung.

Was magst Du nicht an SEO?

Eine Sache, die mir beruflich an SEO nicht gefällt ist, dass alle SEO wollen, weil es ja nichts kostet. Da das betriebswirtschaftlich aber nicht stimmt, fehlt es Unternehmen mit dieser Einstellung oft an der Bereitschaft die Ressourcen für eine komplette SEO-Strategie aufzubauen oder entsprechende externe Budgets bereitzustellen. Der andere Punkt, den ich an SEO nicht mag, ist die fehlende Skalierbarkeit bzw. die damit verbundene Zeitspanne. Wenn ich meine Nische gefunden habe, dann brauche ich mindestens 6 Monate, um mich über organische Ergebnisse hier auszubreiten. Das ist teilweise nicht immer effizient.

Wie sieht SEO in fünf Jahren aus?

Puh. Das ist keine so angenehme Frage, zumal ich immer wieder infragestelle, ob wir in 5 Jahre überhaupt noch mit URLs operieren werden. Aber wenn ich die Situation von SEOs in 5 Jahren antizipieren müsste, würde ich sagen, dass viele SEOs noch viel technischer werden und noch maßgeblicher an der Gestaltung von Plattformen beteiligt sein werden, während der komplette Linkbuilding-Bereich eher konservativere Strukturen, vergleichbar mit dem Vertriebsarm von großen Unternehmen, annehmen wird.

So. Ich hoffe, das war interessant. Hier noch schnell der Verweis auf den neuen Internetzkidz-tumblr: http://internetzkidz.tumblr.com

 

Christoph

... ist Senior Manager Online Marketing bei nexible & Gründer von internetzkidz.de. Neben Online-Marketing beschäftigt er sich mit Usability, Web-Analytics, Marketing-Controlling und Businessplanung. Xing, LinkedIn.

Tags: