So kommt die Monetarisierung bei Pinterest und Tinder

2 interessante Montarisierungsbeispiele von Pinterest und Tinder.

Mittlerweile finden sich Unternehmen wie Google und Facebook an der Börse gelistet.  Zwei Unternehmen, die eigentlich durch die Bereitstellung von kostenlosen Diensten Weltruhm erlangt haben (Suche und Kommunikation). Viele klassische Investoren hatten und haben hier noch immer Zweifel, wie diese Modelle für Shareholder langfristige Revenuestreams generieren können. Dies liegt zum einen daran, dass viele von Ihnen die Mechanismen im sozialen Online-Markt nicht  so gut einsehen können wie z.B. im produzierenden Gewerbe und zum anderen daran, dass es nur sehr wenige Langzeitstudien gibt, die als Proof of Concept bezeichnet werden könnten. Die Hauptfrage bleibt:

Wie wollen die eigentlich Geld verdienen?

In nächster Reihe zu Google und Facebook stehen Unternehmen wie Pinterest, Instagram, Tinder und Snapchat, die nach teilweise mächtigen Fundings und Übernahmen jetzt beweisen müssen, wie sie Geld verdienen können. Ich habe euch mal 2 Beispiele von Pinterest und Tinder mitgebracht, die eine Vermutung zulassen, wie die Monetarisierungsstrategie für diese Netzwerke aussehen können:

Pinterest wird zum User Generated Price Search Engine?

Vor ein paar Wochen hatte ich eine E-Mail zu einem Pinterest-Pin in meinem E-Mail-Postfach, den ich vor gefühlten 100 Jahren mal irgendwann in ein Board geklatscht habe:

Good news! Pinterest. Today your product pin is 79% less.
E-Mail von Pinterest, die mich daran erinnert, dass ein alter Pin im Preis gefallen ist.

Pinterest checkt jetzt, wann Produkte, für die ich mich interessiere, im Preis fallen (und wahrscheinlich auch steigen)! Ziemlich genial, wie ich finde. Damit hat Pinterest für Unternehmen das Potenzial zu einem wichtigen Touchpoint in der Customer Journey zu werden, weil Sie User günstig per Mail ansprechen können, die vermutlich nicht in den Mail-Datenbanken des Unternehmens zu finden sind. Das könnte bedeuten, dass Pinterest bald kein Web-Bookmarking-Dienst mehr ist, sondern eine Art Produkt- und Preissuchmaschine, die ganz ohne diese lästigen .csv- oder .xml-Feeds funktioniert, weil die User die Produkte selber einstellen! Das Geld käme dann aus evtl. aus entsprechenden CPC- oder CPO-Affiliate-Deals, die von Pinterest selbst (und nicht von den Usern) geschlossen würden.

Anscheinend liest Pinterest die Preise für Produkte aus den Open Graph Meta-Tags im <head> der jeweiligen Produktdetailseite aus. Dokumentationen findet ihr in der Product Rich Pins Dokumentation. Das Ganze ist Teil von Pinterest for Business-Programms, das als ein Feature Rich Pins hat. Anscheinend muss man nach dem Vertaggen der Seite auch noch einen Antrag auf Aufnahme in das Programm stellen. 

og:price Open Graph Markup für Pinterest Rich Pins
Am og:price Open Graph Tag erkennt Pinterest den aktuellen Preis eines Produktes.

Dazu passt auch die Aussage von Evan Sharp, Head of Creative von Pinterest auf den Online Marketing Rockstars 2015. Nach seinen damaligen Schilderungen möchte Pinterest nämlich auch in Zukunft nicht als soziales Netzwerk wahrgenommen werden, sondern der bunte, bebilderte Bookmarking-Service bleiben, der er eigentlich immer schon gewesen ist. Die Verknüpfung mit dem Shopping- und Preis-Aspekt der Pins ist dabei dann nur ein weiteres Feature und keine Abweichung von einem möglichen Social-Ansatz.

Des Weiteren sollten wir uns darauf vorbereiten, dass in Zukunft mehr Sponsored Pins bei Pinterest zu sehen sein werden. Bezahlte Pins im nativen Format, die sehr stark auf das Pin-Verhalten der User zugeschnitten sind und nahezu minimal-invasiv in das System eingepflegt werden. Anders als bei facebook-Sidebar-Ads soll hier deutlich mehr aus Quality Assurance und Ästhetik geachtet werden.

Tinder verteilt demnächst exklusive Promos und digitale Geschenke?

Sicherlich erlebt man auf Tinder (bzw. beim Tindern) die ein oder andere negative und positive Überraschung beim Swipen. Ich habe aber zuletzt nicht schlecht gestaunt als ich folgendes Profil angezeigt bekommen habe:

Jason Derulo Tinder Video Promo
Mit einem Swipe nach rechts, konnte ich mir auf Tinder eine exklusive Promo des Jason Derulo Albums sichern.

Jason Derulo bietet mir eine exklusive Preview zu seinem Video „Want To Want Me“ via Tinder an? Keine schlechte Idee. Der Prozess sieht wie folgt aus: Ich like das Profil von Jason und bekomme später via App/Chat einen exklusiven Promo-Link zugeschickt. Ein Modell, das gewisses Potenzial birgt, wenn man erst einmal den ersten Schock überwunden hat, dass dich plötzlich ein Typ in deinen potenziellen Matches angrinst.

Vernebelt wie ich war, habe ich Jason nicht geliked (es war wahrscheinlich der Schock). Daher kann ich leider keine Garantie für die Authentizität des Profils oder den nachgelagerten Prozess bieten.

Natürlich ist der Sprung von der Suche nach der Wahren Liebe und anderen Bedürfnissen auf Tinder zu Musikhören und Shopping ein relativ weiter und es gibt auch keine Garantien, dass die Interaktionsraten ähnlich hoch sein werden, wie die aus dem Pinterest Beispiel. Deshalb tut Tinder momentan gut daran an einer Micro-Payment-Strategie zu arbeiten, der den Dienst in ein Freemium-Modell verwandelt:

Tinder Meldung You are out of likes 2,37$
Für 2,34$ pro Monat kann ich auf Tinder so viele Profile liken wie ich will.

Unbegrenzte Likes kosten bei Tinder mittlerweile 2,34$ pro Monat! Wenn ihr zurzeit auf Tinder in den Like-Swipe-Rausch verfallt, bekommt ihr irgendwann (schätzungsweise nach 100 Likes) eine Meldung, dass eure Likes leer sind. Kein schlechter Move von der Dating-App, wie ich finde. Und die knapp 2 Dollar für den Monat sind auch ein moderater Preis, wenn man vergleicht, was etablierte Online-Dating-Börsen zurzeit aufrufen.

Der Moment in dem euch auf dem Screen angezeigt wird, dass ihr keine Likes mehr habt, ist übrigens ein sehr trauriger – aber dazu vielleicht mal mehr in einem anderen Artikel.

Facebook wächst stetig und ebnet den Monetarisierungsweg

Der Grund warum Facebook nach einem etwas wackeligen IPO zurzeit in ruhigeres Fahrwasser bei Anlegern und Experten gerät ist die Tatsache, dass Sie Wachstum liefern. Wie der folgende Graph, der unter anderem Werbe-Erlöse im Zeitraum 2013-2015 zeigt:

Facebook Umsätze 2013-2015
Facebook verzeichnet seit 2013 stetig wachsende Werbeumsätze, wobei das Q4 traditionell das stärkste Quartal (Weihnachtsgeschäft?) im Jahr ist. Quelle: Facebook Investor Relations

Nicht nur, dass Sie jährlich quantitativ im Bereich der Ad Revenues zulegen können, auch die qualitativen Stimmen, die ich momentan aus dem Advertising-Bereich höre sind durchaus positiv. Zum einen wird es zunehmend einfacher auf facebook Werbung zu buchen und die kreierten Ads bestechen oft durch starke Targeting-Performance.

Entwicklungen wie diese geben auch jüngeren Unternehmen Hoffnung den Weg in die Profitabilität bzw. zumindest zu signifikanten Umsätzen schaffen zu können.

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